Makedonien – Vom Adlerhorst zum Weltreich

Informationen über Mazedonien

Makedon.eu - Informationen rund um Makedonien. Wir veröffentlichen Informationen die mit Makedonien in Zusammenhang stehen. Neben Länderinformationen zur Republik Makedonien (D: Mazedonien), finden Sie zahlreiche Artikel zur Geschichte, Kultur, Sprache, Religion, Politik und der Wirtschaft Makedoniens. Wichtige Kontaktdaten wie etwa Konsulate und Botschaften der Republik Makedonien stellen wir Ihnen ebenfalls zur Verfügung.

Makedonien – Vom Adlerhorst zum Weltreich - Informationen über Mazedonien

Die Altkirchenslawische Sprache

Mit „Altkirchenslawisch“ bezeichnet man die makedonische Sprache, die als Sakralsprache im Mittelalter in Südost- und Osteuropa Verwendung fand.

Altmakedonisch (Altkirchenslawisch)

Altmakedonisch (Altkirchenslawisch)

Unter Altkirchenslawisch (andere Bezeichnungen sind: старо македонски език (Altmakedonisch), Склавински (Sklavanisch), Старо Славински (Ur-Slawisch), Старо Словенски (Alt-Slawisch), slawische- oder auch urslawische Sprache, versteht man die makedonische Sakral- und Schriftsprache, die um 863 nach Christus in Makedonien entwickelt wurde. Die Grundlage des Altkirchenslawisch ist der südmakedonische Dialekt, der in der Gegend um Solun (Thessaloniki) gesprochen wurde. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich daraus verschiedene Varianten und werden heute unter dem Sammelbegriff „Kirchenslawisch“ bezeichnet.

Makedonische Mundarten

Makedonische Mundarten

Die Makedonen selbst haben diese Sprache selbstverständlich nicht „Altkirchenslawisch“ genannt, sondern schlicht „Makedonisch. Im übrigen Makedonien fand diese Sprache jedoch fast ausschließlich Verwendung als Sakralsprache. Der verwendete Dialekt, auf dessen Basis das „Altkirchenslawisch“ entwickelt wurde, beschränkte sich seinerzeit auf lediglich kleine Gebiete an der Ägäis und nördlich von Solun (Thessaloniki).

Um das „Altkirchenslawisch“ tobt seit der Entstehung ein erbitterter Streit zwischen Bulgaren, Makedonen und auch Serben. Selbige behaupten beim „Altkirchenslawisch“ handle es sich um eine ihrer Mundarten. Das führte dazu, dass in allen slawischen Ländern die altmakedonische Sprache anders bezeichnet wird. In Bulgarien wird diese mittelalterliche makedonische Sprache „Altbulgarisch“ (старобългарски /starobălgarski) genannt, in der Republik Makedonien heißt sie „Altmakedonisch“ und in allen anderen slawischen Ländern hat sich „Alt-Slawisch“ (старославянский язык/staroslawjanskietabliert.

Sprachwissenschaftlich betrachtet ist das „Altkirchenslawisch“ der südmakedonischen Mundart des „Solun-Dialektes“ zugeordnet, welcher von den Makedonen um 800 nach Christus in dieser Region gesprochen wurde.

Die in Bulgarien gebräuchliche Bezeichnung „Altbulgarisch“ wird gerne mit dem Protobulgarisch gleichgesetzt oder zumindest oft verwechselt. Die Sprache der Protobulgaren gehört zur Sprachfamilie der Turksprachen und hat nichts mit dem Altmakedonischen zu tun.

Geschichte des Altkirchenslawisch 

Glagoliza

Glagoliza

Der großmährische Fürst Rastislav forderte geistliche Unterstützung von Byzanz, um den christlichen Glauben im slawischsprachigen Raum zu verbreiten. Byzanz unter Patriarch Photios I. ,schickte Kyrill (Konstantin oder auch Kyrill von Saloniki genannt) und seinen Bruder Method (Methodios) und beauftragte sie im Jahre 863 nach Großmähren zu gehen und Fürst Rastislav zu unterstützen. Kyrill hatte bereits große Teile der Evangelien sowie andere christliche Bücher in die ihm vertraute makedonische Sprache von Saloniki übersetzt und sie schriftlich festgehalten. Zu diesem Zweck hatte Kyrill eigens die glagolitische Schrift ( auch glagolitisches Alphabet genannt) kreiert.

Die Missionare und deren Schüler werden im Jahre 885 aus Großmähren vertrieben. Die seinerzeit in Makedonien noch nicht überall verwendete Schriftsprache Kyrills verbreitet sich daraufhin in ganz Makedonien und im gesamten makedonischsprachigen Raum bis nach Thrakien, welcher größtenteils zum Reich der Bulgaren gehörte. Die „Glagoliza“ wird im Bulgarischen Reich die Standardschrift und verbreitet sich daraufhin in ganz Süd- und Osteuropa.

Glagoliza Alphabet

Glagoliza Alphabet

Im Zuge der Ausbreitung der glagolitischen Schrift entwickelten sich zwei Schriftvarianten. Eine eckigere westliche Glagoliza, die ihr Hauptverbreitungsgebiet im heutigen Kroatien hat, und die ursprüngliche, von Kyrill entwickelte, runde Variante der Glagoliza, die sich im südöstlichen Europa verbreitete (Serbien, Makedonien, Bulgarien).

Gegen Ende des 9. Jahrhunderts, also lange nach dem Tod der Brüder Kyrill und Method wurde die Glagoliza durch das neue makedonische Alphabet, welches weltweit irrtümlich als kyrillisches Alphabet bekannt wurde, ersetzt. Das Altkirchenslawisch war anfänglich die Sprache der slawischen Liturgie, wurde jedoch aufgrund des hochen makedonischen Anteils in der Bevölkerung ab 893 offizielle Staatssprache des Bulgarischen Reiches. Vom makedonischen Ohrid, welches im 10.Jahrhundert die Hauptstadt des makedonischen Reiches der Bulgaren war, fand das Altkirchenslawisch auch Verwendung in der Literatur; bisweilen auf hohem Niveau. Die Blütezeit des Altkirchenslawisch lag im 10.Jahrhundert. Das Altkirchenslawisch war prägend auf alle Ostslawen seiner Zeit.

Trotz der makedonische Sprache, welche die älteste slawische Sprache darstellt, war es möglich, dass die Prediger Kyrill und Method von ihren Brüdern im Norden, die die nördlichen Dialekte sprachen , ohne Schwierigkeiten verstanden wurden. Das Makedonische als Ursprache der Slawen bildete im Laufe der Zeit diverse regionale Dialekte heraus. Dennoch ähnelten sich diese bis ins 11.Jahrhundert noch sehr.

Erst im Zuge der Entwicklung der unterschiedlichen Varianten des Altkirchenslawisch bildete sich unter dem heute verwendeten Sammelbegriff das „Kirchenslawisch“ heraus. Die nun unterschiedlichen Varianten des „Kirchenslawisch“ trugen maßgeblich zur Herausbildung der heutigen Slawischen Sprachen bei.

Zum „Kirchenslawisch“ gehören das Bulgarisch-Kirchenslawische (Mittelbulgarisch), das russische-, serbische-, kroatische- und tschechische-Kirchenslawisch.

Im Jahre 1652 wurde das „Kirchenslawisch“ die Liturgiesprache der Orthodoxen Kirche. Ab dem 17.Jahrhundert etablierte sich die Bezeichnung „Neukirchenslawisch“ und hat in der slawisch-orthodoxen Welt den Status wie das Lateinische im römisch-katholischen Christentum.


 

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*