Makedonien – Vom Adlerhorst zum Weltreich

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Der makedonische Dialekt „Torlakisch“

Der makedonische Dialekt „Torlakisch“ als Übergangsmundart zur bulgarischen und zur serbischen Sprache

Wenig bekannt ist die makedonische Mundart, die in der Grenzregion zu Serbien und zu Bulgarien gesprochen wird. Die torlakische Mundart ist ein makedonischer Dialekt, der eine Übergangsform zum Serbischen darstellt. Die torlakische Mundart wird vor allem im südlichen und östlichen Teil Serbiens, im Süden und Osten des Kosovos, im Nordosten Makedoniens und in Westrumänien gesprochen.  Lange stritten die Sprachwissenschaftler darüber, ob das Torlakische eine Übergangsform vom Serbischen zum Makedonischen oder zum Bulgarischen darstellt.

Verbreitungsgebiet der makedonisch-torlakischen Mundart

Verbreitungsgebiet der makedonisch-torlakischen Mundart

Heute ist klar, dass es sich um den nördlichsten makedonischen Dialekt handelt. Das Torlakische ist ein makedonischer Übergangsdialekt zum Serbischen. Geopolitische Interessen erschwerten lange Zeit die offizielle linguistische Einordnung dieser makedonischen Mundart. Die Slawisten waren sich auch uneinig darüber, ob das Torlakische als eigenständiger Dialekt des Serbischen oder als nördlicher Dialekt des Makedonischen einzustufen sei. Das Torlakische wurde in der Zeit der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien von einigen Slawisten mit anderen in Serbien verbreiteten Dialektgruppen in Verbindung gebracht wie etwa dem Štokavischen oder dem Kajkavischen; diese Einordnung war seinerzeit bereits umstritten.

In Serbien wird das Torlakische zum größten Teil von Serben gesprochen. Das Torlakische wird in Serbien selbst als südserbischer Dialekt bezeichnet. Die islamische Minderheit der Goranen im Süden Serbiens und im südlichen Kosovo bilden Sprachinseln, in denen neben serbisch und albanisch das Torlakische heute noch gesprochen wird. Eine isolierte Gruppe der makedonischen Mundart bilden die Kraschovaner im Westen Rumäniens.

Auf dem Gebiet Serbiens wird das Torlakische von der serbischen Standardsprache überlagert. In den serbischen Orten nahe der Grenze zu Bulgarien wie etwa Dimitrovgrad und Bosilegrad geht das Torlakische in das Bulgarische über. Die Bulgaren mussten nach dem Ersten Weltkrieg diese Ortschaften an das Königreich Jugoslawien abtreten. In dieser Region Serbiens wird heute ein westbulgarischer Dialekt gesprochen. Dieser ist sehr nahe mit der makedonischen Mundart des Torlakischen verwand.

Auch im Süden des Kosovos wird Torlakisch von der serbischen und islamischen Bevölkerung der Goranen gesprochen. Wichtigste Ortschaften in denen die makedonische Mundart in Gebrauch ist sind Prizren, Uroševac, Gnjilane, Đakovica und Priština. Zum Teil wird das Torlakische auch von der albanischen Mehrheitsbevölkerung als Zweitsprache gesprochen.

Im Westen Rumäniens bilden die Kraschovaner oder Kraševani in den Ortschaften Caraşova (auf makedonisch Karaševo) und Lupac (makedonisch Lupak) eine isolierte Sprachinsel des makedonischen Dialektes. Von diesen Sprechern des Torlakischen identifiziert sich nur ein sehr kleiner Teil mit den Kroaten und den Serben. Die meisten bezeichnen sich selbst als Karaševi oder einfach als Makedonen und sind in Rumänien neben den Serben und Kroaten als eigene ethnische Gruppe unter dem Namen „Kraschovaner“ anerkannt.

Der Sprachraum, in dem Torlakisch gesprochen wird, war im 19. Jahrhundert eine der Regionen, die am längsten im Osmanischen Reich verblieben. Im Jahr 1878 kam die Region von Niš mit den Ortschaften Pirot, Prokuplje und Leskovac zum unabhängigen Fürstentum Serbien. Der südlichste Teil des torlakischen Sprachraumes mit Prizren, Uroševac, Gnjilane und Vranje wurde erst im Jahr 1913 nach den Balkankriegen an Serbien angeschlossen.

Bei der Entwicklung der serbischen Standardsprache spielte der torlakische Dialekt keine Rolle. Zwar wurde das Torlakische vielerorts als Erstsprache gesprochen, in Serbien wollte man jedoch eine deutliche Abgrenzung zum Makedonischen erreichen und wählte deshalb einen nördlichen Dialekt des Serbischen als Standartsprache für das neugegründete Land.

Während des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war die nationale Zugehörigkeit der Sprecher des Torlakischen sehr umstritten. Das Fehlen von klaren Sprachgrenzen führte zwischen Serben, Makedonen und Bulgaren zum Streit. Ethnografische Karten aus dem 19. Jahrhundert weisen ganz Südostserbien einschließlich der Stadt Niš als Teil des makedonisch und bulgarisch besiedelten Raums aus. Dies sorgt heute noch für Streit in der Frage um die nationale Zugehörigkeit der Sprecher des torlakischen Dialektes.

Bereits im Frieden von San Stefano 1878 beanspruchte Makedonien neben Bulgarien auch das Gebiet um Pirot und den südlichen Teil des Tals der südlichen Morava. Bulgarien versuchte mehrmals erfolglos, Serbien Teile des torlakischen Gebiets zu entreißen. Im Ersten Weltkrieg besetzten von 1915 bis 1918 bulgarische Truppen diesen Teil Serbiens. 1941 marschierte Bulgarien an der Seite Deutschlands im damaligen Königreich Jugoslawien erneut ein. Das Königreich Jugoslawien wurde in der Folge von den Achsenmächten neu aufgeteilt. Die Gebiete um Pirot und Vranje sowie der Süden des heutigen Kosovo und der bei weitem größte Teil Makedoniens wurden von den Achsenmächten vorerst Bulgarien zugesprochen. Mit dem Sieg der Alliierten verlor Bulgarien all diese Gebiete wieder an die neue Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien. Auch das torlakische Sprachgebiet im Süden des Kosovo war von der massiven Abwanderung der serbischen Bevölkerung nach 1999, ausgelöst durch die Auseinandersetzungen mit der albanischen Mehrheitsbevölkerung, betroffen.

In der Republik Makedonien wird die torlakische Mundart im Nordosten des Landes heute noch vielerorts gesprochen. Ortschaften wie Kumanovo, Kriva Palanka und Kratovo sind heute das Hauptverbreitungsgebiet des torlakischen Dialektes in der Republik Makedonien. Schätzungsweise 70.000 Makedonen nutzen das Torlakische im Alltag.

Ein populäres Volkslied Süd-Serbiens gesungen im makedonisch-torlakischen Dialekt.

Ein weiteres Musik Video eines in Süd-Serbien populärem Volkslieds welches im makedonisch-torlakischem Dialekt von der serbischen Gruppe Kulin Ban gesungen wird. Das serbische Volkslied behandelt den Aufstand der Serben gegen das Osmanische Reich.

Ebenfalls von der serbischen Gruppe Kulin Ban im makedonisch-torlakischen Dialekt gesungenes Volkslied aus Süd-Serbien.


 

 

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