Makedonien – Vom Adlerhorst zum Weltreich

Informationen über Mazedonien

Makedon.eu - Informationen rund um Makedonien. Wir veröffentlichen Informationen die mit Makedonien in Zusammenhang stehen. Neben Länderinformationen zur Republik Makedonien (D: Mazedonien), finden Sie zahlreiche Artikel zur Geschichte, Kultur, Sprache, Religion, Politik und der Wirtschaft Makedoniens. Wichtige Kontaktdaten wie etwa Konsulate und Botschaften der Republik Makedonien stellen wir Ihnen ebenfalls zur Verfügung.

Makedonien – Vom Adlerhorst zum Weltreich - Informationen über Mazedonien

Geschichte der Juden in Mazedonien

Die Geschichte der Juden in der Republik Makedonien (D: Mazedonien)

Holocoust Memorial Center - Macedonia

Holocoust Memorial Center – Macedonia

Die Geschichte der Juden auf dem Gebiet des heutigen Mazedoniens begann bereits in der Antike. Während des Römischen Reiches siedelten sich Juden zum ersten Mal auf dem Gebiet der heutigen Republik Mazedonien an. Heute leben lediglich nur noch ca. 200 Juden in der Republik Mazedonien, die meisten von Ihnen in der Hauptstadt Skopje und einige wenige in Štip und Bitola. Die ersten jüdischen Siedler ließen sich vor ca. 2000 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Mazedoniens nieder. Die Anwesenheit von Juden in Makedonien ist beispielsweise aus dem Agrippabrief an Caligula zu entnehmen.

Die Villa und Synagoge des Polycharmos in Stobi - Republik Makedonien

Die Villa und Synagoge des Polycharmos in Stobi – Republik Makedonien

Im antiken Stobi, im Jahre 165 n.Chr., wird Claudius Tiberius Polycharmus als „Vater der Synagoge“ bezeichnet. Er wandelte seine Villa in eine Synagoge um, richtete  einen Gebetsraum, einen Speisesaal (Triclinium) und einen Portikus ein und reservierte die obere Etage der Villa für sich und seine Nachfolger als Residenz. Die Informationen stammen aus einigen gefundenen Inschriften, die wohl wichtigste fand man in einer Synagoge. Die Überreste der jüdischen Synagoge im makedonischen Stobi stammen aus dieser Zeit und geben Aufschluss über die jüdische Gemeinschaft in Makedonien.

Die jüdische Gemeinschaft in Mazedonien im Mittelalter

Justinian Statue in Skopje - Mazedonien

Justinian Statue in Skopje – Mazedonien

Die jüdische Gemeinde blieb auch nach der Römerzeit in Mazedonien bestehen. Der erste Kreuzzug war verheerend für die jüdische Gemeinschaft auf dem Gebiet Makedoniens. In Pelagonien und Skopje wurde die jüdische Gemeinde fast vollkommen ausgelöscht. Die jüdische Gemeinschaft auf dem Gebiet Mazedoniens schrumpfte während des ersten Kreuzzuges empfindlich zusammen. Dennoch gelang es einigen prominenten und einflussreichen Mitgliedern der jüdischen Gemeinden wie beispielsweise Leon Mung, ein Philosoph, den ersten Kreuzzug zu überleben, indem er zum Christentum konvertierte. Ein anderer führender jüdischer Gelehrter namens Judah Leon Mosconi, der in Ohrid im Jahre 1328 geboren wurde und später der Arzt des Königs von Mallorca wurde, erbaute eine große Bibliothek, die von Wissenschaftlern und anderen Gelehrten in den darauffolgenden Jahrhunderten genutzt wurde. Die erste Synagoge in Skopje, die Beth-Aharon-Synagoge, wurde im Jahre 1366 erbaut.

Die jüdische Gemeinde in Mazedonien zur Zeit der osmanischen Herrschaft

Bitola - Republik Makedonien

Bitola – Republik Makedonien

Die jüdischen Gemeinde blieben auch zu Beginn der osmanischen Herrschaft vorerst relativ klein. Dies änderte sich jedoch unter Sultan Bayezid II., der der jüdischen Gemeinde mehr Autonomie und weitreichende Rechte einräumte. Juden erhielten das Recht auf Kauf von Immobilien, sie erhielten Rechte zum Bau von Synagogen und bekamen auch Rechte im Handels- und Bankensektor. Dies führte dazu, dass die jüdischen Gemeinden in Makedonien eine „Blütezeit“ erlebten. Die verschiedenen Rechte, die seitens der Osmanen an die Juden vergeben wurden, führten dazu, dass sich immer mehr Juden aus anderen Gebieten Europas, wie etwa aus Portugal, Spanien und Frankreich, nach Mazedonien übersiedelten.

Jüdische Villa in Bitola - Republik Makedonien

Jüdische Villa in Bitola – Republik Makedonien

Die Städte Skopje, Bitola und Stip zogen viele Juden an. Die durch Handel zu einem gewissen Wohlstand gekommenen Städte zogen insbesondere jüdische Kaufleute an. Besonders in den Bereichen Handel, Banken, Medizin und Recht florierte die jüdische Gemeinde und hatte eine weitreichende Machtposition in Mazedonien. Der jüdische Friedhof in Bitola wurde 1497 gegründet, kurz nachdem erste sephardische Juden in diese Gegend gekommen waren. Der jüdische Friedhof in Bitola ist der älteste jüdische Friedhof in der Republik Mazedonien, möglicherweise sogar der älteste auf dem gesamten Balkan.

Ständige Ausstellung der jüdischen Geschichte in Mazedonien im Museum Bitola - Makedonien

Ständige Ausstellung der jüdischen Geschichte in Mazedonien im Museum Bitola – Makedonien

Die Beziehungen zwischen Juden und den Makedonen und anderer lokaler nicht-jüdischer Bevölkerung waren im Allgemeinen sehr gut. Schriftliche Quellen seinerzeit bestätigen diese guten Beziehungen und die guten Bedingungen für die Juden in Mazedonien unter osmanischer Herrschaft. Ein Brief aus dem 15. Jahrhundert der vom mazedonischen Juden Isaac Jarfati an deutsche und ungarische Juden gerichtet war, preist ihnen die günstigen Bedingungen für Juden im Osmanischen Reich an, und ermutigt diese, nach Makedonien einzuwandern. Im 17. Jahrhundert gab es etwa 3.000 Juden und zwei Synagogen in Skopje, die Beit-Aron-Synagoge und die Beit-Yaacov-Synagoge. Ein seinerzeit bedeutender Wallfahrtsort in Skopje war die Grabstätte von Nathan von Gaza, der hier im Jahre 1680 bestattet wurde. Diese bedeutende Grabstätte wurde im zweiten Weltkrieg zerstört.

Das Zentrum der jüdischen Gemeinde war jedoch die Stadt Bitola mit seinen neun Synagogen. Skopje hatte zu dieser Zeit drei Synagogen und die Stadt Stip zwei. 

Einige bedeutende jüdische Philosophen, die in Mazedonien geboren sind oder zumindest eine längere Zeit in Mazedonien lebten, sind: Samuel de Medina, Josef ben Lev, Shlomo Koen, Jaakov tam David Yahia, Ishaak ben Samuel Adrabi, Aharon ben Josef Sason und Sal-amon. 

Aquädukt der Römer - Republik Mazedonien

Aquädukt der Römer – Republik Mazedonien

Im Jahre 1689 ließ die österreichische Armee unter Enea Silvio Piccolomini die Synagogen in Skopje und Bitola abbrennen. Während der Offensive auf die Stadt Skopje, befahl General Piccolomini die Synagogen und Moscheen zu verbrennen. Später versuchten die Österreicher diesen feindseligen Akt als Notwendigkeit zur Beseitigung der Cholera in Skopje darzustellen. 

Die Synagogen in Skopje begannen am 26. Oktober 1689 zu brennen, das Feuer griff auch auf benachbarte Gebäude über und der Brand dauerte daraufhin ganze zwei Tage. Der Brand verwüstete viele alte Gebäude Skopjes, nur einige wenige steinerne Strukturen, wie die Festung, die meisten Kirchen und auch einige Moscheen, waren relativ unbeschädigt geblieben. 

Das in Skopje gelegte Feuer hatte verheerende Auswirkungen auf die Stadt: Die Bevölkerung sank von vor dem Brand etwa 60.000 auf rund 10.000 nach dem Feuer. Skopje verlor daraufhin seine regionale Bedeutung als Handelszentrum. Die jüdische Gemeinde war faktisch nicht mehr vorhanden. 

Die jüdische Gemeinde in Bitola bestand fast völlig aus sephardischen Juden, die meisten von ihnen sprachen Ladino zu Hause, wenige hebräisch. Im Jahre 1895 wurde durch die „Alliance Israelite Universelle“ eine jüdische Schule in Bitola gegründet. Für mehr als 30% der mazedonischen Juden war französisch seinerzeit die Erstsprache. 

Die mazedonischen Juden beteiligten sich auch an der makedonischen Befreiungsbewegung gegen die osmanische Herrschaft. Eine große Zahl der mazedonischen Juden nahm an dem Ilinden-Aufstand teilEiner der wichtigsten jüdischen Teilnehmer des Aufstandes war Rafael Moshe Kamhi. Er führte eine Rebellengruppe des Ilinden-Aufstandes an. Bekannt wird er unter dem Spitznamen „Skandereg“. Als Führer der Einheit am Debar während des Aufstandes 1903 geht er in die mazedonische Geschichte ein. 

Die jüdische Gemeinde in Mazedonien vor dem Zweiten Weltkrieg

Die jüdische Gemeinde konzentrierte sich vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auf Bitola mit rund 8000 Juden und Skopje, wo die jüdische Gemeinde rund 5000 Mitglieder zählte. Eine kleinere jüdische Gemeinde in der Stadt Štip zählte ca. 500 Juden.

Die jüdischen Gemeinden in Mazedonien zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust

Im März 1941 wurde Bulgarien ein Verbündeter der Achsenmächte und im April 1941 marschierte die bulgarische Armee in Makedonien ein. 

Viele Juden schlossen sich den Partisanen an und kämpften gegen die Besatzer für ein Freies Jugoslawien. Aus Mazedonien stammte Haim Estreya Ovadya, eine Jüdin aus Bitola. Sie gehörte als eine der ersten Frauen der Partisanenbewegung an und ist dieser im Jahr 1941 beigetreten.

Nach dem Einmarschieren der Bulgaren in Mazedonien erließen die Bulgaren antisemitische Gesetze. Unter anderem wurden jüdische Häuser markiert und weitreichende Beschränkungen für Juden eingeführt. Die Bulgaren verboten jegliche Form von Handel und zwangen die jüdische Gemeinde, sämtliche gesellschaftlichen Aktivitäten einzustellen. 

Bilder und andere Zeitzeugnisse aus dieser Zeit werden im Holocaust-Museum in Skopje gezeigt; ein Besuch des Museums ist sehr zu empfehlen. Desweiteren kann man im Museum auch original Zugwagen sehen, die für den Transport der mazedonischen Juden seitens der Besatzer eingesetzt wurden.

Im Jahre 1943 gipfelte der Antisemitismus im besetzten Mazedonien. Auf deutschen Wunsch hin veranlassten die bulgarischen Besatzer die Deportation der makedonischen und griechischen Juden in das Konzentrationslager Treblinka. 

Am Tag vor der Deportation ließ das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Mazedoniens der jüdischen Gemeinde eine Vorwarnung über die drohende Deportation zukommen. Leider schenkten nur wenige Juden dieser Vorwarnung glauben. In den frühen Morgenstunden des 11. März 1943, einem Donnerstag, wurde unter der Überwachung durch die bulgarische SS bis auf wenige Ausnahmen die gesamte jüdische Bevölkerung Mazedoniens verhaftet und später deportiert. Die jüdische Bevölkerung wurde bis zum Abtransport auf temporäre Haftanstalten in Skopje, Bitola und anderen Städten verteilt.

Unter den 7.215 inhaftierten mazedonischen Juden wurden Folgende gesondert schriftlich festgehalten:  

  • 539 Kinder weniger als 3 Jahre alt,
  • 602 Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahre
  • 1172 Kinder im Alter von 10 bis 16 Jahren
  • 865 Menschen über 60 Jahre alt
  • 250 schwerkranke Personen (ans Bett gefesselt)
  • 4 schwangere Frauen, die entbunden haben in dem Gefangenenlager.
  • 4 Menschen starben bei der Ankunft im Lager.

Obwohl Bulgarien Verbündeter Nazi-Deutschlands war, gab es in Bulgarien eine bürgerliche Bewegung zum Schutz der Juden. Unter anderem versuchten Bulgaren Juden mit bulgarischer Staatsbürgerschaft auszustatten und damit eine Deportation zu verhindern. Leider gelang dieses Vorhaben nicht in größerem Umfang, rettete jedoch einige wenige Juden vor der Deportation. 

Mit Ausnahme der wenigen Juden, die Schutz durch mutige Bürger erfahren hatten, wurden die jüdischen Gemeinden Mazedoniens und Griechenlands fast vollständig ausgelöscht. Ein paar Dutzend Juden aus Bitola gelang es unterzutauchen und der Deportation zu entgehen. Vier von Ihnen entkamen aus einem Durchgangslager.

Keiner der 3.276 Juden aus Bitola, die nach Treblinka deportiert wurden überlebte. 

Die jüdische Gemeinde in der Republik Mazedonien heute

Holocaust Fund of the Jews from Macedonia

Holocaust Fund of the Jews from Macedonia

Derzeit zählt die jüdische Gemeinde in der Republik Mazedonien ca. 200 Mitglieder. Fast alle Juden leben in Skopje, mit einer einzigen Familie in Štip und nur einem einzigen Juden in Bitola, dem einstigen Zentrum des Judentums auf dem Gebiet der Republik Makedonien.
Weiterführende Informationen finden Sie auf der Webseite der jüdischen Gemeinschaft in der Republik Makedonien. > Jewish communety in the Republic of Macedonia

Holocaust Fund of the Jews for Macedonia

Siehe auch unseren redaktionellen Fimtipp zum Thema: Die dritte Halbzeit


 

 

  • Macedonian sagt:

    Grüße an die jüdischen
    Menschen aus Mazedonien!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*